76. Führungsgespräch: Künstliche Intelligenz – Wachstum Ohne Menschen?

Bereits 2014 hat sich die Wissenschaftliche Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung mit Fragestellungen von Big Data-Analytics beschäftigt und
in Kombination mit digitalen Plattformen radikale Veränderungen von Geschäftsmodellen diskutiert. Aktuell steht “Künstliche Intelligenz” im Zentrum der Diskussionen um die digitale Transformation von Unternehmen. Daher setzte sich die Wissenschaftliche Gesellschaft nun zum 76. Führungsgespräch mit den betriebswirtschaftlichen und wettbewerbsstrategischen Effekten sowie gesellschaftlichen Folgewirkungen von Künstlicher Intelligenz auseinander.

Algorithmische Entscheidungsfindung kann erhebliche Effizienz- und Wachstumswirkungen entfalten, wenn tradierte Geschäftsmodelle angepasst oder komplett neu gedacht werden. Was sind Erfolgsfaktoren und Einsatzmöglichkeiten für KI-Prozesse? Werden Wachstumspfade auf Kosten der Mitarbeiter erschlossen? Welche Risiken und Folgewirkungen für Unternehmen, Markt und Gesellschaft sowie ethischen Gesichtspunkte muss die Unternehmensführung im Blick haben? Wo stehen managementorientierte Wissenschaft und Unternehmenspraxis eigentlich auf dem Entwicklungspfad der Künstlichen Intelligenz?

Diese Fragen wurden nun beim 76. Führungsgespräch zum Thema “Künstliche Intelligenz – Wachstum ohne Menschen?”  in München am 11. und 12. April 2019 diskutiert. Ausgangsbasis dafür bildete eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, welche gemeinsam mit dem Fraunhofer-Zentrum IMW im Vorfeld erarbeitet wurde. Durch Praxiseinblicke der Experten des IBM Watson IoT Centers gewannen wir nicht nur einzigartige neue Perspektiven, sondern konnten auch einen Ausblick auf die Entwicklungen der nächsten Jahre wagen.

“Forschungstagung Marketing 2017” an der HHL

Vom 28.09 bis zum 30.09.2017 veranstaltete der SVI-Stiftungslehrstuhl für Marketing unter Leitung von Prof. Dr. Manfred Kirchgeorg, geschäftsführender Vorstand der Wissenschaftlichen Gesellschaft, die „Forschungstagung Marketing 2017“ an der HHL Graduate School of Management in Leipzig. Das Format wird seit vielen Jahren an unterschiedlichen Universitätsstandorten ausgerichtet und bot Ende September 13 Marketinglehrstühlen aus dem deutschsprachigen Raum eine Plattform für den akademischen Erfahrungsaustausch rund um das Thema Marketing und marktorientierte Unternehmensführung. 60 Doktoranden präsentierten und diskutierten ihre Promotionsthemen und erhielten wertvolles Feedback von Professoren und akademischen Sparringspartnern anderer Lehrstühle.

Mit einem informellen Auftaktabend in der Moritzbastei wurde die Tagung am Donnerstagabend eröffnet. Am nächsten Tag folgten dann verschiedene wissenschaftliche Vorträge zu aktuellen Themengebieten wie Digitalisierung, Branding, Cross-Media Marketing, Service Marketing und vielem mehr, bevor die angereisten Akademiker Leipzig bei strahlendem Sonnenschein zu Wasser bewundern konnten – denn ein Teil des Rahmenprogramms, der großen Anklang fand, war die Schifffahrt durch die Leipziger Kanäle. Am Abend präsentierte Leipzig sich dann als Kultur-, Auto- und Sportstadt mit einer hochkarätigen Dialogrunde im Ratskeller. Der Direktor des Gewandhauses zu Leipzig, Prof. Andreas Schulz und Dr. Joachim Lamla von der Porsche Leipzig GmbH sowie der Medienunternehmer Dr. Michael Kölmel brachten ihre Expertisen ein und gaben einen Ausblick auf zukünftige Marketingherausforderungen. Hieraus konnten die Doktoranden spannende und aktuelle Impulse für neue Forschungsprojekte mitnehmen.

Der Samstagvormittag war erneut geprägt von wissenschaftlichen Diskussionen. Die Themenagenda reichte hierbei von Vorträgen zu E-Commerce, B2B und Product Marketing bis zu psychologischen Studien zu Consumer Behavior. Besonders interessant war auch der abschließende Vortrag zum Thema „Construct Measurement in Marketing and Advertising Research“ von Herrn Prof. Dr. Tobias Langner (Bergische Universität Wuppertal). Hierbei wurde deutlich, dass die Validität vieler Studien aufgrund der Verwendung zweifelhafter Skalen durchaus kritisch gesehen werden muss. Die Abschlussreflektion der Tagung durch alle teilnehmenden Professorinnen und Professoren stand dann schließlich unter dem Thema „Marketing Weiterdenken“, dem sich auch die Wissenschaftliche Gesellschaft in ihrem nächsten Führungsgespräch widmen wird. Auch hier wurden einige kritische Punkte deutlich (Forschung steht oft an letzter Stelle, weil Zeit und Gelder fehlen; die Bedeutung des Marketing scheint abzunehmen). Zuletzt waren sich alle beteiligten jedoch einig, dass bei Besinnung auf die eigenen Stärken (u. A. die Fokussierung auf Kundenorientierung und die Rolle als Bindeglied zwischen verschiedenen Disziplinen) und Förderung des Austauschs von Wissenschaft und Praxis, wie er unter anderem durch die Wissenschaftliche Gesellschaft geschieht, kein Grund für Existenzängste der Marketingdisziplin in der Wissenschaft besteht.

Wir freuen uns sehr über den äußerst erfolgreichen Verlauf des Events und sind gespannt, welche Früchte der akademische Austausch zum Thema Marketing in den nächsten Jahren tragen wird.