77. Führungsgespräch: Wettbewerber als Kooperationspartner?

Die deutsche Wirtschaft steht aktuell vor enormen Herausforderungen, will sie im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben. Digital-Riesen und Quasi-Monopolisten aus China und den USA verdrängen über alle Branchen hinweg zunehmend einheimische Wettbewerber. Brandbeschleuniger ist hierbei die digitale Transformation, die hierzulande nicht konsequent genug verfolgt wurde.

Die Wissenschaftliche Gesellschaft hat in den letzten Jahren immer wieder Lösungsstrategien für die sich verändernden Markt- und Wettbewerbsbedingungen diskutiert. Mit besonderem Blick auf die Plattformökonomie wurden hierbei in der Vergangenheit horizontale Kooperationen als wichtige Strategieoptionen hervorgehoben. Der digitale Transformationsprozess in den Branchen zwingt insbesondere die in Deutschland etablierten mittelständischen Unternehmen dazu, horizontale Kooperationen als Option zu prüfen, um im internationalen Wettbewerb mit globalen Plattformanbietern konkurrenzfähig zu bleiben. Somit ergeben sich für Politik und Unternehmensführung eine Reihe von Grundsatzfragen: Müssen die kartellrechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und auf EU-Ebene angesichts der massiv veränderten globalen Wettbewerbsstrukturen angepasst werden? Wann und wie sind Kooperationen mit Wettbewerbern sinnvoll? Welche Erfolgsfaktoren können für erfolgreiche horizontale Kooperationen identifiziert werden?

Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des 77. Führungsgesprächs und wurden in Berlin aus politischer, rechtlicher und unternehmensbezogener Perspektive diskutiert.

Zum Kaminabend wurden zunächst die aktuellen Entwicklungen sowie die Rolle Deutschlands und Europas in einer sich verändernden, digitalisierten Weltwirtschaft reflektiert. Will Deutschland nicht zwischen den Fronten „China“ und „USA“ zerrieben werden, muss es eine Vorreiterrolle bei der Industrialisierung 4.0 einnehmen. Auch könne Datensicherheit und ein gemeinsamer „Datenraum Europa“ eine echte Chance sein. Für beide Ziele gilt es jedoch insbesondere die digitale Infrastruktur in Deutschland auszubauen.

Wissenschaft und Unternehmenspraxis waren sich im anschließenden Führungsgespräch einig, dass Kooperationen – auch mit Wettbewerbern – eine sinnvolle Strategie sein können, um Digitalriesen wie Amazon und Co. nicht nur die Stirn zu bieten, sondern aktiv neue Marktfelder zu erobern. Hierzu bedarf es jedoch der Ablegung tradierter Konkurrenz-Mindsets und „Experimentierraum“ für verschiedene Formen der Kooperation – auch im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Während des 77. Führungsgesprächs konnten einige Erfolgsfaktoren für das Gelingen von Kooperationen wie die offene Kommunikation über Erwartungen und Ziele sowie die klare Allokation von erwirtschafteten Werten identifiziert werden. Es bedarf aber auch und vor allem Führungspersönlichkeiten, die entsprechende Ideen konsequent umsetzen – nur dann wird sich die deutsche Wirtschaft weiterhin im globalen Wettbewerb behaupten.

76. Führungsgespräch: Künstliche Intelligenz – Wachstum Ohne Menschen?

Bereits 2014 hat sich die Wissenschaftliche Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung mit Fragestellungen von Big Data-Analytics beschäftigt und
in Kombination mit digitalen Plattformen radikale Veränderungen von Geschäftsmodellen diskutiert. Aktuell steht “Künstliche Intelligenz” im Zentrum der Diskussionen um die digitale Transformation von Unternehmen. Daher setzte sich die Wissenschaftliche Gesellschaft nun zum 76. Führungsgespräch mit den betriebswirtschaftlichen und wettbewerbsstrategischen Effekten sowie gesellschaftlichen Folgewirkungen von Künstlicher Intelligenz auseinander.

Algorithmische Entscheidungsfindung kann erhebliche Effizienz- und Wachstumswirkungen entfalten, wenn tradierte Geschäftsmodelle angepasst oder komplett neu gedacht werden. Was sind Erfolgsfaktoren und Einsatzmöglichkeiten für KI-Prozesse? Werden Wachstumspfade auf Kosten der Mitarbeiter erschlossen? Welche Risiken und Folgewirkungen für Unternehmen, Markt und Gesellschaft sowie ethischen Gesichtspunkte muss die Unternehmensführung im Blick haben? Wo stehen managementorientierte Wissenschaft und Unternehmenspraxis eigentlich auf dem Entwicklungspfad der Künstlichen Intelligenz?

Diese Fragen wurden nun beim 76. Führungsgespräch zum Thema “Künstliche Intelligenz – Wachstum ohne Menschen?”  in München am 11. und 12. April 2019 diskutiert. Ausgangsbasis dafür bildete eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, welche gemeinsam mit dem Fraunhofer-Zentrum IMW im Vorfeld erarbeitet wurde. Durch Praxiseinblicke der Experten des IBM Watson IoT Centers gewannen wir nicht nur einzigartige neue Perspektiven, sondern konnten auch einen Ausblick auf die Entwicklungen der nächsten Jahre wagen.

75. Führungsgespräch – Neue Leitthemenagenda der Wissenschaftlichen Gesellschaft

Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung, Veränderungen der globalen Wettbewerbsarena und der politischen Kräfteverhältnisse sowie immer deutlicher werdende Signale des Klimawandels stellen Unternehmen wie auch Gesellschaft zukünftig vor neue Herausforderungen. Im Spannungsfeld von Chancen und Risiken wird in nahezu allen Branchen die Anpassungswilligkeit und -fähigkeit von Unternehmensführung und Mitarbeitern auf den Prüfstand gestellt. Es ist dabei zum einen unbestritten, dass die Unternehmensführung gefordert ist, bestehende Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken und die unternehmensinternen Voraussetzungen für den notwendigen Wandel zu schaffen. Zum anderen sind Unternehmen aber auch in ein gesellschaftliches und politisches Umfeld eingebettet, das die Wandlungsfähigkeit determiniert. In diesem Kontext wird die Forderung nach dem „politischen Unternehmer“ immer lauter. Top-Führungskräfte sollten sich demnach in der Verantwortung sehen, den Wandel im eigenen Unternehmen voranzutreiben und gleichzeitig Verantwortung für die mit dem Wandel einhergehenden gesellschaftspolitischen Veränderungen über die Unternehmensgrenzen hinaus zu übernehmen.

Vor diesem Hintergrund verfolgte das 75. Führungsgespräch der Wissenschaftlichen Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung zwei Ziele: Einerseits ging es darum, die zentralen Zukunftsthemen („die CEO Agenda“) und die damit verbundenen Wandlungs- bzw. Evolutionserfordernisse der marktorientierten Unternehmensführung zu identifizieren und zu diskutieren. Die während des Führungsgesprächs definierten Zukunftsthemen Digitalisierung, Customer Centricity, Exzellenz, Ecological System, Wachstum und Kultur & War for Talents werden zukünftig als Agenda für die Wissenschaftliche Gesellschaft dienen und die kommenden Führungsgespräche thematisch leiten.

Zweitens sollten in Abhängigkeit von diesen Zukunftsthemen anschließend die Fragen beantwortet werden: Wie kann das gesellschaftspolitische Bewusstsein für den notwendigen Wandel im Unternehmensumfeld geschärft werden? Sind Anpassungen der Rahmenbedingungen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit notwendig? Und wenn ja, inwiefern muss die Unternehmensführung über die Unternehmensgrenzen hinaus Verantwortung für gesellschaftspolitische Anpassungsprozesse übernehmen? Besonders das Kamingespräch mit Sigmar Gabriel, ehemaligem Vizekanzler und Außenminister, sowie Minister Prof. Andreas Pinkwart machte die Relevanz dieser Fragen erneut deutlich. Herr Gabriel mahnte eindringlich an, dass Deutschland schneller auf die anstehenden grundlegenden Wandlungsprozesse reagieren müsse. Zögerliches Verhalten von Unternehmen oder offensichtliches Fehlverhalten führten sonst zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt. Diese Perspektiven wurde im Laufe des Führungsgespräches aufgegriffen und vor den definierten Leitthemen lebhaft diskutiert.

Die zukünftigen Führungsgespräche, welche sich jeweils mit einzelnen Aspekten der Leitthemenagenda beschäftigen werden, bleiben also mit Spannung zu erwarten. Im April 2019 wird das Thema “Künstliche Intelligenz – Impulsgeber für neue Wachstumsstrategien” beim 76. Führungsgespräch im Fokus stehen.

Tätigkeitsbericht des SVI-Stiftungslehrstuhls für Marketing (HHL)

Der SVI-Stiftungslehrstuhl für Marketing an der HHL Leupzig Graduate School of Management ist einer von zwei eng mit der Wissenschaftlichen Gesellschaft assoziierten Lehrstühlen an deutschen Hochschulen. Lehrstuhlinhaber Prof. Manfred Kirchgeorg ist geschäftsführender Vorstand des Vereins und auch die Geschäftsstelle mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern ist in den Lehrstuhl integriert. Die Wissenschaftliche Gesellschaft fördert die Forschung der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Lehrstuhls, im Gegenzug werden die Forschungsergebnisse in Newslettern, Arbeitspapieren und über die Führungsgespräche der Praxis zugänglich gemacht. So entsteht der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis, für den die Wissenschaftliche Gesellschaft steht.

Die Lehrstuhlmitarbeiter und deren Forschungsprojekte sowie die weiteren Aktivitäten des SVI-Lehrstuhls in 2017 und 2018 werden im aktuellen Tätigkeitsbericht des Lehrstuhls porträtiert. Mit derzeit 7 internen Doktoranden, 2 Habilitanden und 11 externen Promovierenden, die zu den Themen Sustainability Marketing, Holistic Branding sowie Crossmediales Management forschen, kommt da einiges an wissenschaftlichem Input zusammen. Auch wurden im vergangenen Jahr verschiedene Konferenzen und Forschungstagungen besucht, BMBF-geförderte Projekte gestartet oder abgeschlossen, Forschungskooperationen aufgebaut und vieles mehr. Für alle, die näheres über die Lehrstuhlaktivitäten erfahren möchten, stellen wir hier den Tätigkeitsbericht zum Download bereit. Viel Vergnügen beim Lesen!

Download Tätigkeitsbericht des SVI-Stiftungslehrstuhls
für Marketing der HHL Leipzig Graduate School of Management

Fraunhofer IMW wird Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft

Wir freuen uns besonders, in diesem Jahr einige bekannte und sehr interessante neue Gesprächspartner im Kreise der Wissenschaftlichen Gesellschaft begrüßen zu dürfen. Nach der Seidensticker GmbH und Co. KG und der Thalia Bücher GmbH ist nun auch das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW rückwirkend zum 01.01.2018 offiziell neues Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung. Damit gewinnen wir einen ganz besonderen Sparringspartner, setzt sich das Fraunhofer-Zentrum Leipzig doch schon seit zehn Jahren mit angewandter sozio-technologischer sowie sozio-ökonomischer Forschung auseinander und arbeitet damit an genau jener Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, die auch wir mit unserem Kreis zu stärken suchen.

Die Forscher am Fraunhofer IMW befassen sich insbesondere mit Strategien, Prozessen und Instrumenten zum Transfer von Wissen und Technologien zwischen Organisationen sowie dem Umsetzen von Wissen in Innovation. Institutsdirektor Prof. Thorsten Posselt konnte bereits zu früheren Führungsgesprächen seine Expertise hierzu einbringen und für die Zukunft zeichnen sich auch spannende Forschungskooperationen zwischen dem Fraunhofer IMW und der Wissenschaftlichen Gesellschaft ab. Wir freuen uns daher sehr auf den weiteren Dialog im Kreise der Wissenschaftlichen Gesellschaft und sind gespannt auf die Denkanstöße, die unsere neuen Mitglieder hierin einbringen.

73. Führungsgespräch: Marketing Weiterdenken

Angesichts der Digitalisierung und des mit ihr einhergehenden disruptiven Wandels steht das Marketing im Sinne einer marktorientierten Unternehmensführung in vielen Unternehmen auf dem Prüfstand und muss sich anpassen, um zukunftsfähig zu bleiben. Doch wie genau kann diese Adaption aussehen? Rückt der Kunde in einer digitalen Welt wieder in den Mittelpunkt des Unternehmens, wie vom Marketing eigentlich seit seinen Ursprüngen gefordert? Welche weiteren Erfolgsfaktoren und Herausforderungen gibt es in Zukunft, wie wichtig ist beispielsweise die physische Präsenz einer (Online-)Marke heute noch?

Diesen und ähnlichen Fragen stellte sich die Wissenschaftliche Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung im Rahmen ihres 73. Führungsgesprächs am 09. Und 10. November in Leipzig. Anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert – Mitgründer der Wissenschaftlichen Gesellschaft und Nestor der Marketingdisziplin in Deutschland – ist im Vorfeld das Sammelwerk „Marketing Weiterdenken“ mit Beiträgen von über 30 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Unternehmensführung entstanden, die mögliche Zukunftspfade marktorientierter Unternehmensführung darin aus sehr unterschiedlichen Perspektiven reflektierten. Das Werk wurde im Rahmen des Führungsgespräches überreicht und bot den Anlass, Marketing gemeinsam vor den einzigartigen Kulissen der Alten Börse sowie des Gewandhauses zu Leipzig „weiterzudenken“.

Sowohl Vertreter erfolgreicher Digitalunternehmen als auch etablierte Player wurden hierbei zu Wort gebeten. Weitgehende Einigkeit bestand darüber, dass zwar Kundenzentrierung heute ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, doch nur in Verbindung mit einer entsprechenden Wachstumsorientierung und einem überzeugenden Unternehmens-Purpose – dem „Warum“ hinter allem Handeln – tatsächlich zum Erfolg führen kann. Weiterhin wurde deutlich, dass die Trennung zwischen digitalen und etablierten Playern bei dieser Diskussion eigentlich nicht länger zeitgemäß ist. Beide müssen sich aktuell sehr ähnlichen Herausforderungen stellen, wie beispielsweise der ständigen Disruption von Geschäftsmodellen, vor allem durch den asymmetrischen Wettbewerb mit dem großen Konkurrenten Amazon, oder der langfristigen Bindung bzw. Rückgewinnung von Kunden durch den direkten Kundendialog sowie die intelligente Nutzung von Kundendaten.

Um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, bedarf es allerdings genau jener Agilität des Marketings, die durch den Titel des Führungsgesprächs, „Marketing Weiterdenken“, bereits impliziert wurde. Dieser kann somit in diesem Sinne als direkte Aufforderung an Wissenschaft und Unternehmenspraxis verstanden werden.

Launch der neuen Website der Wissenschaftlichen Gesellschaft

Alles neu macht – zumindest in diesem Jahr – nicht der Mai, sondern der Oktober. Mit der neuen Website mit integriertem Webshop ist die Wissenschaftliche Gesellschaft pünktlich zum 73. Führungsgespräch in Leipzig endgültig auch optisch im digitalen Zeitalter angekommen. Die neue Internetpräsenz spricht dabei drei verschiedene Zielgruppen an: Zum einen kann sich sowohl die (Fach-)Öffentlichkeit durch die deutlich vereinfachte Struktur schneller und gezielter über die Wissenschaftliche Gesellschaft informieren und aktuelle Forschungsergebnisse abrufen; zum anderen finden nun auch interessierte Dialogpartner ansprechend aufbereitete Informationen und Kontaktdaten der Wissenschaftlichen Gesellschaft. Mit unserem geschützten Mitgliederbereich wollen wir zudem insbesondere den persönlichen Kontakt zwischen unseren persönlichen Mitgliedern aus Wissenschaft und Praxis weiter fördern und aktuelle Vereinsinformationen schnell, leicht zugänglich und von überall abrufbar kommunizieren.

Das Design der neuen Site ist schlicht und modern gehalten, um die Usability zu maximieren und den Charakter unseres Vereins widerzuspiegeln. Selbstverständlich ist die Site responsiv, also für mobile Endgeräte optimiert. Auch unseren Arbeitspapier-Webshop haben wir bereits an die Anforderungen der Zeit angepasst, mit allgemeiner Suchfunktion und Keyword-Suche ausgestattet und Bestellprozesse automatisiert, sodass Interessierte noch einfacher Zugang zu unseren Arbeitspapieren erhalten. Allerdings kann unser Webshop aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen leider erst in einigen Wochen veröffentlicht werden. Wir informieren Sie selbstverständlich hier, sobald der Online-Zugriff auf unsere Arbeitspapiere möglich ist. Bis dahin können diese über das Kontaktformular bestellt werden. In unseren Arbeitspapieren dokumentieren wir regelmäßig die Ergebnisse unserer Führungsgespräche und Forschungsprojekte, um sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Wir freuen uns, dass mit dieser Webpräsenz nun das Ergebnis eines sechsmonatigen Planungs- und Umsetzungsprozesses vorliegt. Die neue Website soll in deutlich kürzeren Zeitabständen als bisher mit aktuellen Informationen bestückt werden und stets den neusten Stand unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse wiederspiegeln. Damit starten wir in eine digitale und vernetzte Zukunft und wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Erkunden unserer neuen Webpräsenz.

 

“Forschungstagung Marketing 2017” an der HHL

Vom 28.09 bis zum 30.09.2017 veranstaltete der SVI-Stiftungslehrstuhl für Marketing unter Leitung von Prof. Dr. Manfred Kirchgeorg, geschäftsführender Vorstand der Wissenschaftlichen Gesellschaft, die „Forschungstagung Marketing 2017“ an der HHL Graduate School of Management in Leipzig. Das Format wird seit vielen Jahren an unterschiedlichen Universitätsstandorten ausgerichtet und bot Ende September 13 Marketinglehrstühlen aus dem deutschsprachigen Raum eine Plattform für den akademischen Erfahrungsaustausch rund um das Thema Marketing und marktorientierte Unternehmensführung. 60 Doktoranden präsentierten und diskutierten ihre Promotionsthemen und erhielten wertvolles Feedback von Professoren und akademischen Sparringspartnern anderer Lehrstühle.

Mit einem informellen Auftaktabend in der Moritzbastei wurde die Tagung am Donnerstagabend eröffnet. Am nächsten Tag folgten dann verschiedene wissenschaftliche Vorträge zu aktuellen Themengebieten wie Digitalisierung, Branding, Cross-Media Marketing, Service Marketing und vielem mehr, bevor die angereisten Akademiker Leipzig bei strahlendem Sonnenschein zu Wasser bewundern konnten – denn ein Teil des Rahmenprogramms, der großen Anklang fand, war die Schifffahrt durch die Leipziger Kanäle. Am Abend präsentierte Leipzig sich dann als Kultur-, Auto- und Sportstadt mit einer hochkarätigen Dialogrunde im Ratskeller. Der Direktor des Gewandhauses zu Leipzig, Prof. Andreas Schulz und Dr. Joachim Lamla von der Porsche Leipzig GmbH sowie der Medienunternehmer Dr. Michael Kölmel brachten ihre Expertisen ein und gaben einen Ausblick auf zukünftige Marketingherausforderungen. Hieraus konnten die Doktoranden spannende und aktuelle Impulse für neue Forschungsprojekte mitnehmen.

Der Samstagvormittag war erneut geprägt von wissenschaftlichen Diskussionen. Die Themenagenda reichte hierbei von Vorträgen zu E-Commerce, B2B und Product Marketing bis zu psychologischen Studien zu Consumer Behavior. Besonders interessant war auch der abschließende Vortrag zum Thema „Construct Measurement in Marketing and Advertising Research“ von Herrn Prof. Dr. Tobias Langner (Bergische Universität Wuppertal). Hierbei wurde deutlich, dass die Validität vieler Studien aufgrund der Verwendung zweifelhafter Skalen durchaus kritisch gesehen werden muss. Die Abschlussreflektion der Tagung durch alle teilnehmenden Professorinnen und Professoren stand dann schließlich unter dem Thema „Marketing Weiterdenken“, dem sich auch die Wissenschaftliche Gesellschaft in ihrem nächsten Führungsgespräch widmen wird. Auch hier wurden einige kritische Punkte deutlich (Forschung steht oft an letzter Stelle, weil Zeit und Gelder fehlen; die Bedeutung des Marketing scheint abzunehmen). Zuletzt waren sich alle beteiligten jedoch einig, dass bei Besinnung auf die eigenen Stärken (u. A. die Fokussierung auf Kundenorientierung und die Rolle als Bindeglied zwischen verschiedenen Disziplinen) und Förderung des Austauschs von Wissenschaft und Praxis, wie er unter anderem durch die Wissenschaftliche Gesellschaft geschieht, kein Grund für Existenzängste der Marketingdisziplin in der Wissenschaft besteht.

Wir freuen uns sehr über den äußerst erfolgreichen Verlauf des Events und sind gespannt, welche Früchte der akademische Austausch zum Thema Marketing in den nächsten Jahren tragen wird.

72. Führungsgespräch in Berlin

ENTREPRENEURSHIP VS. INTRAPRENEURSHIP
– Dosierung von innen- und außengerichteten Impulsen der digitalen Transformation

Angesichts der Digitalisierung und der sich – wie derzeit nur allzu deutlich wird – weltweit verschärfenden ökologischen Herausforderungen ist die Veränderungs- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen in besonderer Weise gefordert. Querschnittstechnologien brechen Branchengrenzen auf und führen zu neuen wettbewerbsstrategischen Konstellationen. In dieser Situation führen inkrementelle Innovationsschritte nicht mehr zum Erfolg und binden sogar Ressourcen auf dem Weg in eine strategische Sackgasse. Disruptive Innovationen und Geschäftsmodelle treten in Konkurrenz zum vielfach noch profitablen Kerngeschäft von etablierten Unternehmen. Sie lassen langjährig optimierte Wertschöpfungsketten erodieren und neue Wertschöpfungsnetzwerke entstehen.

Dieses Problemfeld war im März Gegenstand des 72. Führungsgesprächs der Wissenschaftlichen Gesellschaft für marktorientierte Unternehmensführung. Etwa 45 Mitglieder und Gäste der Wissenschaftlichen Gesellschaft trafen sich zur Diskussion möglicher Innovations- und Transformationsstrategien in der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom in Berlin. Konkret wurden anhand verschiedener Erfahrungsberichte aus der Praxis etablierter Unternehmen und junger Startups verschiedene Schlüsselfragen debattiert: Wie sieht heute das Spektrum und Portfolio an Instrumenten aus, die außerhalb oder innerhalb von Unternehmen eingesetzt werden, um Innovations- und Transformationsimpulse zur erfolgreichen Geschäftsentwicklung aufzunehmen? Welche Instrumente sind in welcher Situation sinnvoll, wie lassen sie sich kombinieren? Und welche Rolle spielt die Unternehmensführung für eine erfolgreiche Umsetzung von Innovationsimpulsen?

Eine Status-quo-Analyse durch Wissenschaft und Praxis zu Beginn des Führungsgesprächs attestierte der deutschen Wirtschaft zunächst erheblichen Nahholbedarf in der ideellen und finanziellen Förderung der Innovations- und Gründungskultur: Beim Zugang von Gründern zu Wagniskapital fällt Europa beispielsweise weit hinter die USA und Asien zurück. Gleichzeitig müssen Unternehmen sich aber in nahezu allen Branchen auf disruptive Entwicklungen einstellen, denen nur mit einer offeneren Innovationskultur und vollem Engagement der Unternehmensführung begegnet werden kann. In vielen Unternehmen bestehen trotz der eher negativ bewerteten Ausgangslage jedoch bereits Tendenzen, Innovation zu fördern und Digitalität zu leben, wie Erfahrungsberichte aus verschiedenen Branchen zeigten.

Welche Instrumente konkret für die Umsetzung von Innovation und Transformation eingesetzt werden – ob Spinups, Acceleratoren, Startups oder Partnerschaften mit Digitalunternehmen – hängt immer stark vom Unternehmen selbst und dessen Entwicklungsstadium ab. In allen Bereichen scheint jedoch der Konsens zu bestehen, dass die Fokussierung auf eine Innovationsstrategie effektiver ist als die Verteilung von Engagement und Ressourcen auf verschiedene kleinere Ansätze. Auch die Bedeutung von Transparenz gegenüber den betroffenen Anspruchsgruppen und volles Commitment im Handeln der Unternehmensführung wurden branchenübergreifend als Erfolgsfaktoren betont.

Ein Ausblick auf die zu erwartende digitale Zukunft zum Abschluss des Führungsgesprächs führte einmal mehr die Dringlichkeit der diskutierten Transformationsprozesse vor Augen. Außerdem ließ er die Frage nach einer staatlichen Regulierung von Nebeneffekten der Digitalisierung aufkommen. So werden digitale Plattformunternehmen zukünftig aufgrund von Netzwerkeffekten, globalen Marktzugängen und Grenzkosten von nahezu Null immer mehr zu Monopolen konvergieren. Der Wettbewerb muss deshalb ggf. durch regulative Instrumente in entsprechenden Märkten sichergestellt werden. Dies wird aber zumindest derzeit von der Politik in Deutschland, die sich nur allzu oft mit kleinteiligen Marktregulierungen aufhält, noch nicht ausreichend fokussiert. An diesem Punkt der Diskussion schloss sich der Kreis zur Status-quo-Analyse vom Beginn des Führungsgesprächs; denn nur wenn neben der Wirtschaft auch die Politik die Zukunftstendenzen erkennt und darauf reagiert, können in Deutschland Trends aufgegriffen und internationale Innovationen entwickelt werden.

Wie die Zukunft der marktorientierten Unternehmensführung hierbei aussieht, welche Rolle Marketing in einer Digitalökonomie spielt und inwiefern etablierte Unternehmen und Digital Player hier voneinander lernen können, soll auch beim nächsten Führungsgespräch im November 2017 in Leipzig weiterführend diskutiert werden. In jedem Fall scheint klar zu sein: Wir müssen Marketing weiterdenken, wie schon der Titel dieser nächsten Veranstaltung fordert.