77. Führungsgespräch: Wettbewerber als Kooperationspartner?

Die deutsche Wirtschaft steht aktuell vor enormen Herausforderungen, will sie im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben. Digital-Riesen und Quasi-Monopolisten aus China und den USA verdrängen über alle Branchen hinweg zunehmend einheimische Wettbewerber. Brandbeschleuniger ist hierbei die digitale Transformation, die hierzulande nicht konsequent genug verfolgt wurde.

Die Wissenschaftliche Gesellschaft hat im letzten immer wieder Lösungsstrategien für die sich verändernden Markt- und Wettbewerbsbedingungen diskutiert. Mit besonderem Blick auf die Plattformökonomie wurden hierbei in der Vergangenheit horizontale Kooperationen als wichtige Strategieoptionen hervorgehoben. Der digitale Transformationsprozess in den Branchen zwingt insbesondere die in Deutschland etablierten mittelständischen Unternehmen dazu, horizontale Kooperationen als Option zu prüfen, um im internationalen Wettbewerb mit globalen Plattformanbietern konkurrenzfähig zu bleiben. Somit ergeben sich für Politik und Unternehmensführung eine Reihe von Grundsatzfragen: Müssen die kartellrechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und auf EU-Ebene angesichts der massiv veränderten globalen Wettbewerbsstrukturen angepasst werden? Wann und wie sind Kooperationen mit Wettbewerbern sinnvoll? Welche Erfolgsfaktoren können für erfolgreiche horizontale Kooperationen identifiziert werden?

Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des 77. Führungsgesprächs und wurden im Berlin aus politischer, rechtlicher und unternehmensbezogener Perspektive diskutiert.

Zum Kaminabend wurden zunächst die aktuellen Entwicklungen sowie die Rolle Deutschlands und Europas in einer sich verändernden, digitalisierten Weltwirtschaft. Will Deutschland nicht zwischen den Fronten „China“ und „USA“ zerrieben werden, muss es eine Vorreiterrolle bei der Industrialisierung 4.0 einnehmen. Auch könne Datensicherheit und ein gemeinsamer „Datenraum Europa“ eine echte Chance sein. Für beide Ziele gilt es jedoch insbesondere die digitale Infrastruktur in Deutschland auszubauen.

Wissenschaft und Unternehmenspraxis waren sich im anschließenden Führungsgespräch einig, dass Kooperationen – auch mit Wettbewerbern – eine sinnvolle Strategie sein können, um Digitalriesen wie Amazon und Co. nicht nur die Stirn zu bieten, sondern aktiv neue Marktfelder zu erobern. Hierzu bedarf es jedoch der Ablegung tradierter Konkurrenz-Mindsets und „Experimentierraum“ für verschiedene Formen der Kooperation – auch im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Während des 77. Führungsgesprächs konnten einige Erfolgsfaktoren für das Gelingen von Kooperationen wie die offene Kommunikation über Erwartungen und Ziele sowie die klare Allokation von erwirtschafteten Werten identifiziert werden. Es bedarf aber auch und vor allem Führungspersönlichkeiten, die entsprechende Ideen konsequent umsetzen – nur dann wird sich die deutsche Wirtschaft weiterhin im globalen Wettbewerb behaupten.

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